Inkontinenz

Inkontinenz

Unter Inkontinenz versteht man die Undichtigkeit eines Sphinktersystems (Harnblasensphinkter, Anus) für die jeweiligen Sekrete.Zur Inkontinenz kann es auf verschiedene Weise kommen. Die grösste Rolle spielen nervale Läsionen, die sich im Gehirn und Rückenmark (zentrale Störung) oder in den Nervenfasern, die zu den Sphinktern ziehen (periphere Störung) befinden können. Ausserdem können Verbindungen der Reservoire (Blase, Mastdarm) zur Umgebung (Haut, Harnröhre, Scheide), sogenannte Fisteln, zur Undichtigkeit führen. Seltener findet sich die Ursache der Inkontinenz in einer Zerstörung der abdichtenden Muskulatur.

Die anale Inkontinenz wird nach der Unfähigkeit für das Halten von Luft, flüssigem Stuhl und festem Stuhl sowie der Häufigkeit der unwillkührlichen Stuhlabgänge in verschiedene Schweregrade eingeteilt.Mit zunehmendem Alter wird die anale Inkontinenz häufiger. Die Ursache ist hier meist in einer Regulationsstörung inerhalb der versorgenden Nerven zu finden.

Bei Operationen und Verletzungen im Beckenbereich kann es zu Zerstörungen der Sphinktermuskultur kommen, die in der Unfähigkeit des Analverschlusses münden. Zusätzlich können hier Defekte auftreten, die nicht komplett ausheilen und eine Fistel verursachen. Auch chronische Entzündungen (Morbus Crohn, Abszesse) können zu einer Fistel führen und so eine Inkontinenz verursachen. Im Falle von Fisteln kann eine spontane Ausheilung nach dem Sanieren der Entzündung abgewartet werden.

Hierzu wird für die Dauer von 3 bis 6 Monaten ein künstlicher Darmausgang angelegt, der nach Abheilung der Fistel oder 3 Monate nach operativer Sanierung wieder zurückverlegt wird. In seltenen Fällen wird die Fistel sofort komplett entfernt.Bei Störungen, die aus einem Defekt der Sphinktermuskulatur herrühren, kann die Rekonstruktion des Muskels versucht werden. Falls die Zerstörung so hochgradig ist, dass keine Naht der Muskulatur durchgeführt werden kann, ist die Ersatzplastik der Analmuskulatur möglich.

Dieses sehr aufwendige Verfahren kann jedoch nur in einigen hochspezialisierten Kliniken durchgeführt werden und hat eine Versagerquote von ca. 50%. In einigen Fällen ist auch die Implantation eines aufblasbaren Ringes möglich, der die Funktion des Sphinkters übernimmt. Die Steuerung dieses Ringes wird durch einen Ballon unter der Bauchdecke vorgenommen.**In allen Fällen der analen Inkontinenz, in denen die o.g. Massnahmen keinen Erfolg zeigen, sollte das Anlegen eines endgültigen künstlichen Darmausgangs überlegt werden.

Stuhlinkontinenz

Stuhlinkontinenz ist ein häufiges und stark tabuisiertes Leiden. Die Ursachen können sehr vielschichtig sein: Eine Muskelschwäche des Beckenbodens bei Frauen nach schweren Geburten, Verletzungen der Schließmuskeln durch Operationen oder Unfälle, Erkrankungen des Nervensystems wie z.B. Multiple Sklerose und Morbus Parkinson sowie Stoffwechselerkrankungen wie eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) kommen als Ursache einer Inkontinenz in Betracht. Verschiedene Schweregrade werden nach der Fähigkeit eingeteilt, Winde, flüssigen Stuhl oder festen Stuhl halten zu können.

Die Betroffenen sind in ihrem normalen Leben oft stark eingeschränkt, vertrauen sich aber lange Zeit Niemandem an. Durch moderne Therapiemöglichkeiten wie z.B. Elektrostimulation und Biofeedback-Training ist die Inkontinenz aber durchaus entscheidend zu lindern oder sogar zu heilen. Bei der Elektrostimulation wird der innere Schließmuskel, der nicht willkürlich kontrolliert werden kann, mit Hilfe von schwachen Reizströmen stimuliert und so trainiert. Mit dem Biofeedback-Verfahren kann der Betroffene anhand optischer oder akustischer Signale erkennen, wie kräftig er seinen äußeren Schließmuskel betätigt, der im Gegensatz zu ersterem bewusst gesteuert werden kann.

Neuere Geräte vereinen beide Funktionen in einem und ermöglichen so ein umfassendes Training, das der Patient nach kurzer Anlernphase zuhause selbstständig durchführen kann. Die genannten Verfahren stehen in spezialisierten Behandlungseinrichtungen zur Verfügung.

Darüber hinaus gibt es verschiedene operative Verfahren zur Behandlung der Stuhlinkontinenz, die eine Straffung oder Wiederherstellung des beschädigten Schließmuskels zum Ziel haben. Mittlerweile wird in ausgewählten Fällen auch ein künstlicher Schließmuskelersatz durchgeführt.

Anorektale Manometrie

Die anorektale Manometrie ist eine Untersuchung zur Messung der Schließmuskel-Druckwerte im Analkanal und im Enddarm. Sie wird vor allem bei Stuhlinkontinenz, bei Obstipation (Verstopfung) und bei geplanten Operationen am Schließmuskelapparat oder am Enddarm durchgeführt. Für den Messvorgang wird ein Katheter in den Analkanal bzw. in den Enddarm eingebracht, der mit einem Druckabnehmer und einem Aufzeichnungsgerät verbunden ist. Der Druck wird dabei mit kleinen Ballons am Ende des Katheters gemessen, die entweder luft - oder flüssigkeitsgefüllt sind.

Stuhlinkontinenz - Allgemeine Information

Die Stuhlinkontinenz ist der unbeherrschbare Abgang von Gas, Schleim, flüssigem Stuhl oder festen Bestandteile. Es bedeutet, dass man die Entleerung des Darmes nicht willkürlich zurückhalten kann. Obwohl die Stuhlinkontinenz häufig ist, trauen sich viele Patienten lange nicht, zum Arzt zu gehen, obwohl ihnen vielleicht gut geholfen werden könnte.

Zunächst kann der Arzt herausfinden, was die Ursache der Inkontinenz ist. Es gibt verschiedene Medikamente, die helfen. Die Zeit, in der die Nahrung bis zur Ausscheidung durch den Darm wandert, kann beispielsweise verlängert werden.Manchmal ist eine Operation die beste Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen.

Die häufigsten Ursachen für die Schließmuskelinkontinenz sind Veränderungen im Bereiche des Analkanals, nicht selten begleitet von nervösen Störungen in dieser Region. Dazu gehören Schließmuskelschädigung durch:

vorangegangene Operationen,Verletzungen,Geburten.

Die Schließmuskelschwäche, meist verbunden mit einem Tiefertreten des Beckenbodens (Descensus perinei). Sie betrifft vor allem Patienten mit einer chronischen Verstopfung und häufigen Pressversuchen um Stuhlgang zu erzielen. Die fortgeschrittene Hämorrhoidalerkrankung mit Ausstülpen des sensiblen Kontinenzorgans und folglich unbemerktem Verlust von spärlich Stuhl.

Die sensible Innervationsstörung, die den Patienten Empfindungen wie Stuhldrang, Stuhlfülle des Rektums oder Stuhldurchtritt durch den Analkanal überhaupt nicht wahrnehmen lassen
 (sensorische Inkontinenz).

Nur wenige Patienten mit einem derartigen Krankheitsbild vertrauen sich einem Arzt an - dies vor allem aufgrund der Peinlichkeit der Problematik und wegen der möglicherweise durchlebten Frustration einer ungenügenden Abklärung gefolgt von einer nicht zielführenden Behandlung. Vermutlich besteht eine große Dunkelziffer von Patienten mit Inkontinenz die mit ihrem Problem zurückgezogen, als sozialer Außenseiter, leben.

In den USA sind 3 Millionen Bürger davon betroffen. Die Prevalenz in der Bevölkerung über 65 Jahren erreicht 11/1000 bei den Männern, und über 13/1000 bei den Frauen. Bei 45 Jahre alten Frauen ist die Inzidenz der Stuhlinkontinenz acht mal höher, als bei Männern gleichen Alters.

Grad I: Inkontinenz für Gas, kein Stuhlschmieren

Grad II: Kontrollverlust für Winde und flüssigen bis breiigen Stuhl

Grad III:  Ständiges Stuhlschmieren

Ursache

Die Gründe für die mangelnde Stuhlkontrolle sind vielfältig:

Bei Durchfall kann es passieren, dass die Stuhlentleerung unwillkürlich abläuft. Im Alter nimmt die Verschlussfähigkeit des Darmes ab.

Bei Frauen wird durch Geburten oft der Schließmuskel geschädigt. Dies muss nicht sofort nach der Geburt auffallen. Häufig tritt die Inkontinenz erst viel später in Erscheinung.

Durch eine Zuckerkrankheit kann es zu Nervenschädigungen kommen, die den Verschlussmechanismus stören.

Nach Operationen am Enddarm, z.B. wegen Hämorrhoiden, kann Inkontinenz auftreten. Ein Vorfall des Enddarms kann zu Inkontinenz führen. Bei schwerer Verstopfung kann es passieren, dass flüssiger Stuhl vorbei an den harten Stuhlmassen unwillkürlich abgeht.

Diagnostik

Notwendige Untersuchungen:
Ideal ist das schrittweise Vorgehen in der im folgenden angegebenen Reihenfolge:

1. Anamnese und klinische Untersuchung. Bei der Anamnese darf die Frage nach den Medikamenten keinesfalls fehlen. Gibt dem erfahrenen Untersucher bereits entscheidende Hinweise auf die mögliche Ursache und den Schweregrad des Krankheitszustandes und entscheidet den weiteren Untersuchungsgang.

2. Proctologische Untersuchung: Beinhaltet nicht nur die Besichtigung und die Fingeruntersuchung, sondern unbedingt eine endoskopische Untersuchung mit dem Proctoskop. Eine obligate Untersuchung, um die Anatomie des Schiessmuskel zu beurteilen, ist die Endosonografie.

3. Druckmessung des Schließmuskelapparates: Erfolgt mit Hilfe einer Messsonde. Gleichzeitig werden durch Entfallen eines Ballons die rektale Füllungswahrnehmungen und der rektoanale Relaxaktionsreflex (=normales Erschlaffen des inneren Schließmuskels bei der Füllung des Enddarms) geprüft.

4. Röntgenologische Untersuchung des Entleerungsvorganges (Defäkografie): Ist extrem wertvoll, wenn bei Inkontinenz mit gleichzeitiger Entleerungsstörung der Verdacht auf einen inneren Rektumvorfall oder ein Fehlverhalten des Beckenbodens bzw. des Enddarms bei der Entleerung vorliegt. (Rectocelenbildung = Ausstülpung des Enddarmes).

Therapie

Eine regelmäßige Stuhlentleerung zu festgesetzten Zeiten ist günstig. Dies kann man üben. Weiterhin sollte man viele Ballaststoffe essen. Dadurch wird der Stuhl geformt, aber weich.

Grundlage jeder Behandlung sind einfache, nicht operative Maßnahmen, die in manchen geeigneten Fällen durch Operationen ergänzt werden.

Das Therapiekonzept wird naturgemäß von jenem Spezialisten entworfen, der die Abklärung durchgeführt hat, und dem Patienten die Ursachen seines Beschwerdebildes ausreichend erklärt hat.

Basistherapie mit Sphinktertraining und Beckenbodengymnastik Stuhlregulierung und die Vermeidung von Obstipation und heftigem Pressen zum Stuhl.


Biofeedbacktraining - Mittels eines in den Analkanal eingeführten Sensors kann der Patient am Bildschirm das Verhalten der verschiedenen Anteile seiner Schließmuskulatur während des Pressens und der Entleerung kontrollieren, und verloren gegangene oder krankhafte Reflexe korrigieren, bzw. wieder erlernen.

Operative Behandlung

Indikation:

Feinkontinenzstörung = Sphinkterrekonstruktion

Rektumprolaps mit Inkontinenz = Resektion oder Rektopexie

Descensus perinei = Beckenbodenplastik

Verhaltensregeln

Steigern Sie die Ballastmenge in der Nahrung mit viel Gemüse, Salat bzw. faserreichem Obst (z. B. Orangen, Ananas). Bananen, Birnen enthalten kaum Ballast.

Nehmen Sie 2 x täglich 1-2 Esslöffel Leinsamen (bzw. Leinsaat, braune Körner), nicht geschrotet, nicht gemahlen, als Beigabe z. B. zu Joghurt, Buttermilch, Müsli, Apfelmus, Kartoffelbrei,  usw. Leinsamenbrot reicht nicht! Die darin enthaltenen Körner sind gebrannt, sie quellen nicht mehr. Geschroteter Leinsamen hat ebenfalls keine Wirkung, weil Leinsamen nur solange quillt, wie die Faserkapsel intakt ist! Sie brauchen bei Einnahme von Leinsamen nicht mehr zu trinken wie sonst auch, um den Durst zu löschen. Körner nicht kauen! Vorheriges Einweichen nichterforderlich.

Streben Sie geformten Stuhl an; "normal" ist die "Wurst" (keine "Kügelchen", kein breiiger oder "matschiger" Stuhl). Der Enddarm sollte sich im allgemeinen entleeren, ohne dass Sie stark pressen müssen.

Versuchen Sie nicht krampfhaft, täglich Stuhlgang zu erzwingen. Beachten Sie obige Faustregel. Gehen Sie zur Toilette, wenn Sie Stuhldrang verspüren, machen Sie es kurz: entleeren, reinigen, aufstehen.

Keine "Zigarettenlänge", keine Zeitungslektüre. Suchen Sie bei Stuhldrang die nächste Toilette auf; halten Sie den Stuhl nicht länger zurück: Sie lähmen sonst auf Dauer den Entleerungsreflex und bekommen eine Verstopfung. Der zurückgehaltene "Pfropfen" fördert Ihr Enddarmleiden.

Stärken Sie die Bauchmuskulatur durch einfache gymnastische Übungen: Auf den Rücken legen, Beine anziehen, Hände in den Nacken legen, Oberkörper aufrichten.